Ich lade dich ein, mal für einen Moment die Augen zu schließen und dir vorzustellen, dass alle Menschen auf der Welt gleich wären. Alle hätten die gleichen Ansichten, die gleichen Wünsche, die gleichen Probleme, den gleichen Beruf, ja sogar das gleiche Lieblingsessen. Wie fühlt sich das für dich an?
Könnte es sein, dass eine Welt, in der alle gleich sind, ziemlich eintönig und langweilig wäre? Und dass sie kaum Lernmöglichkeiten bieten würde? Wenn ich immer nur dem begegne, was ich schon kennen, würde ich mich wahrscheinlich auch selbst nie in all meiner Vielfalt und meinem Facettenreichtum kennenlernen. Ich würde mich auf das beschränken, was offensichtlich ist, und das, was da vielleicht noch so alles versteckt in mir schlummert, nicht entdecken. Ich wäre nur äußerst selten überrascht und inspiriert durch das, was andere tun, was ich irgendwo sehe oder lese oder was ich in einem Gespräch höre.
Durch gesellschaftliche Vielfalt können Lernmöglichkeiten entstehen. Ich stelle mir vor, wie ich an einen Ort komme, an dem ich noch nie war, oder vielleicht gehe ich auch nur durch die eigene vertraute Straße, aber mit weit offenen Augen und Ohren. Dann bietet sich mir Neues – Dinge, die ich noch nie gesehen oder bewusst wahrgenommen habe, Menschen, die mir noch nie begegnet sind, Musik oder Essen, die ich zuvor noch nie gekostet habe. Das kann sich aufregend anfühlen, vielleicht zunächst auch ungewohnt und befremdlich, aber oft erlebe ich es als bereichernd oder inspirierend. Ich kann Dinge kennenlernen und ausprobieren, von denen ich bis dahin gar nicht wusste, dass sie mir gefallen oder dass ich ein Talent dafür habe. Ich erfahre möglicherweise Aspekte, über die ich mir zuvor noch nie Gedanken gemacht habe. Und dann stellt sich mir die Frage: Kann ich dies als Einladung annehmen, meine Meinung mal auf den Kopf zu stellen und einen neuen Blickwinkel zuzulassen?
Continue reading “Über Freilernen und Vielfalt” →